Berlin/Litauen – Angesichts wachsender Sicherheitsbedrohungen in Europa rät die Bundeswehr ihren Soldatinnen und Soldaten, sich auf ein Szenario vorzubereiten, das lange undenkbar schien: einen plötzlichen Einsatz im Kriegsfall. Mit der neu eingeführten "Kaltstart-Akte“ sollen Angehörige der Truppe – insbesondere der künftigen Kampfbrigade in Litauen – private Regelungen für den Ernstfall treffen. Hier die traurigen Hintergründe:
"Stellen Sie sich vor, Sie müssen binnen 48 Stunden 600 Kilometer entfernt einsatzbereit sein. Was geschieht mit Ihren Kindern, pflegebedürftigen Angehörigen oder dem Haustier?“, heißt es in dem 40-seitigen Dokument, das seit Sommer 2023 online verfügbar ist. Die Bundeswehr fordert ihre Soldaten auf, frühzeitig Vorkehrungen zu treffen: von der Regelung der Sorgerechtsfrage bis zur Sicherung von Bankzugängen und Passwörtern. Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) betont die Dringlichkeit: "Die Akte ist eine gute Grundlage, um Familie und Freunde in schweren Zeiten zu entlasten.“ Besonders im Fokus steht die schwere Kampfbrigade , die Deutschland ab 2027 dauerhaft in Litauen stationieren will. Bis zu 4.800 Soldaten sollen dort nur wenige Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt stationiert werden – an vorderster Front im Falle eines russischen Angriffs.